Archive for June, 2007

Mein Zimmer auf dem Campus

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Im Moment logiere ich auf dem Campus der Nanyang Technological University (NTU). Dort habe ich ein etwa 10qm großes Zimmer bezogen, in dem ich für die nächsten 25 Tage Unterschlupf gefunde habe, also bis Ende Juni. Und keinen Tag länger. Das soll mir wohl Gelegenheit geben, schnellstmöglich eine eigene Wohnung zu finden. Und zwar ausserhalb des Campus.

Ein bißchen schade ist das schon, denn der Campus bietet allerhand Vorteile. So brauche ich beispielsweise nur etwa zehn Minuten, um gemütlich ins Büro zu schlürfen. Dabei komme ich dann an mindestens einer der vielen Kantinen vorbei, in der ich mir nach Herzenslust leckere Fruchtsäfte und die vielfältigsten asiatischen Speisen aussuchen kann. Und das das alles sehr preiswert ist, versteht sich von selbst. Für die körperliche Fitness ist auch gesorgt. Wenn mir mal dannach ist, streife ich mir die Badehose über und hüpfe mal eben so in den 300m entfernten Pool oder gehe auf dem Sportplatz laufen oder vielleicht sogar ins Gym.

Aber zurück zum Zimmer. Um bei der Wahrheit zu bleiben, teile ich mir dieses mit Paula. Ja, ich war auch überrascht, als ich sie heute Abend in meinem Zimmer vorfand. Sie lag einfach so da. Splitterfasernackt! Ihr muss das ganz schön peinlich gewesen sein. Sie sah mich jedenfalls ziemlich verdutzt an, als ich lautstark ins Zimmer hineinpolterte. Und auch ich war ziemlich überrascht. Das kann ich euch versichern. So etwas kann man ja nicht erahnen. Ich dachte wirklich, dass ich das Zimmer für mich ganz alleine hätte. Zumal es auch nur dieses eine große Bett gibt.

Und dieses will ich nun wirklich nicht mit Paula teilen. Habe ich schon erwähnt, dass Paula im Grunde eine Kakerlake ist? Etwa fünf Zentimeter groß, unansehnlich und ziemlich flink? Naja, ihr könnt Euch bestimmt gut vorstellen, dass man auf so eine Gesellschaft getrost verzichten kann. Und ja. Ich gebe es zu. Paula ist nicht wirklich ein guter Name für eine Kakerlake, aber wer kann sich seinen Namen schon aussuchen.

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Der ganz normale Klimaanlagenwahn

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Jetzt ist es passiert. Ich bin erkältet, huste den ganzen Tag so vor mich hin und nachts reißen mich die Hustenanfälle aus den süßesten Träumen. Wie kann so etwas nur passieren, in einem Land, in dem die Temperatur nie unter 20 Grad Celsius sinkt und man schon nach 23 Schritten auf der Straße einen Schweissfilm auf der Haut verspürt, so dass es sich gewaschen hat.

Und genau darin liegt das Problem. Man schwitzt sich hier das Leben aus dem Leib. Das ist an sich natürlich erst einmal kein Problem und gesundes Schwitzen hat noch keinem geschadet. Doch es gibt in diesem Spiel eine entscheidene Komponente, die ich bisher verschwiegen habe: der hiesige Klimaanlagenwahn. Hier in Singapur wird nämlich prinzipiell alles und überall auf gefühlte 15 Grad Celsius heruntergekühlt. Wer da als Normalsterblicher nicht mindestens eine Lungenentzündung bekommt, ist nicht von dieser Welt.

Da schlendert man beispielsweise gemütlich im Schatten einer schönen Allee, träumt so vor sich hin von exotischen Fruchtcocktails und einem kühlenden Bad in der Oase und bemerkt allmählich, dass dieser Traum zumindest teilweise wahr geworden ist, denn das T-Shirt ist wiedereinmal klitschenass. Gut denkt man sich da, eine natürliche Reaktion des Körpers auf die Hitze. Man will ja nicht zerkochen. Doch dann kommt auch schon das nächste Geschäft, man tritt ein und beginnt zu frösteln, als wäre man gerade direkt nach Norwegen in den Winterurlaub katapultiert worden. Mit der Zeit verzieht sich dann langsam der feuchte Film auf den Armen, man friert nicht mehr so sehr und könnte jetzt eigentlich schön gemütlich in diesem Geschäft herumschauen, wenn man denn nicht schon alles gesehen hätte, was einem dort so angeboten wird. Also geht es wieder hinaus auf die Straße, wo man sofort an die leckersten Fruchtcocktails und ein schönes kühlendes Bad denkt…

Spätestens nach dem fünften Geschäft und der dritten U-Bahnfahrt war es dann um mich geschehen. Mein Hals fühlte sich mit einem Male sehr merkwürdig an und der Rest ist Geschichte. Jetzt habe ich IMMER einen dicken Pulli dabei. Und auch wenn es sehr lästig ist, ziehe ich ihn immer wieder an und aus. An und aus. An und aus.

Und am Ende will ich Euch die schlimmste aller Nachrichten nicht vorenthalten: in meinem Büro kann die Klimaanlage nicht eingestellt werde. Es gibt nur “An” oder “An”. Kein “Aus” oder “ich mag’s heute nicht ganz so kalt”. Nein, absolute Tiefsttemperaturen sind angesagt. Gottseidank und zu meiner Rettung zeigte mir Marcus aus dem Nachbarbüro, wie man die Schlitze der Klimaanlage möglichst unauffällig mit durchsichtigem Klebeband abklebt. Nach wenigen Minuten war dieses Problem dann also wenigstens hier gelöst. Jetzt sitze ich bei angenehmen Wohlfühltemperaturen in meinem Büro und hoffe, dass ich den Schal um meinen Hals und die darunter verborgen Schmerzen möglichst bald wieder los bin.

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Bürokratie und Eröffnung eines Kontos

Bevor ich hier so richtig loslegen kann, muss ich erst einmal meinen Arbeitsvertrag und die damit verbundene Bürokratie in Sack und Tüten bringen. Und da scheint noch einiges an Arbeit auf mich zuzukommen, denn offenbar hat es eine kleine unvorhergesehene Verzögerung in der bürokratischen Pipeline gegeben. Aber nichts Ernsthaftes, wie mir glaubhaft versichert wurde.

Also machte ich mich vorhin gleich auf den Weg zum Office of Human Resources (OHR) wo ich mit meinem “Offer of Appointment” aufkreuzte. Nachdem ich die notwendigen Formulare unterschrieben hatte, dachte ich in meiner Naivität, dass ich nun gleich nächste Woche mit meiner Arbeit anfangen könne. Doch als ich gerade dabei war, den kommenden Montag in das letzte Forumlarfeld einzusetzen, wies mich die Mitarbeiterin des OHRs freundliche darauf hin, dass das wohl etwas optimistisch sei. Ich solle den Termin doch lieber um drei Wochen nach hinten schieben, beispielsweise auf den 22. Juni. Da musste ich erst einmal schlucken.

Denn die Mühlen der Bürokratie mahlen bekanntlich langsam. Erst einmal muss das Ministry of Manpower (MoM) der ganzen Sache zustimmen, danach brauche ich einen medizinischen Rundumcheck, gefolgt von einem direkten Besuch beim MoM, um mir dort einen Employment Pass ausstellen zu lassen und dannach werde ich dann tatsächlich irgendwann meinen Arbeitsvertrag unterzeichnen können. Und das alles in exakt dieser Reihenfolge, ohne über Los zu gehen und ohne 500 Taler einzustecken. Das kann also dauern.

Glücklicherweise ist das alles nicht allzu tragisch, denn ich habe ja noch 30 Tage Zeit, bis mein Touristenvisum abläuft. In vielen anderen Ländern ist es übrigens nicht so einfach möglich, sein Visum im nachhinein zu änderen, was mir beispielsweise damals in Kanada sehr viel Stress in der letzten Woche vor dem Abflug bereitete. Und der arme Niklas musste damals sogar seinen Flug um ganze zwei Wochen verschieben. Hier in Singapur ist dies gottseidank entspannter. Allerdings sollte man unter keinen Umständen länger als die vorgesehenen 30 Tage damit verbringen, denn dann wird auch die hiesige Bürokratie gnadenlos zuschlagen.

Zurück im Lab berichtete ich soeben von der Verzögerung und wurde sogleich mit der Zahlung einer einmaligen Reisekostenpauschale beruhigt. Den Scheck werde ich jetzt gleich nutzen, um mir ein hiesiges Konto einzurichten. Die Bankfiliale befindet sich praktischerweise gleich auf dem Campus, etwa drei Fussminuten vom Büro entfernt. Und mein Büro kann ich dann auch schon beziehen, nur halt noch nicht offiziell. Also wird sich hoffentlich bald alles zum Guten wenden.

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Die Kollegen

Chao
Feng
Adrian
Torsten
Katharina
Harald

Nachdem ich von Marcus, dem Manager des Labs, mit einer elektronischen Zugangskarte für das Lab ausgestattet wurde, besuchte ich gleich einmal Gerrit in seinem Büro. An dieser Stelle sollte ich vielleicht erwähnen, dass ich ohne Gerrit nie nach Singapur gekommen wäre, denn über ihn kam der Kontakt während der Graphite06-Konferenz in Kuala Lumpur im letzten November zustande.

Gerrits Büro wirkt wie eine Lagerhalle für Computer-Hardware. Gleich hinter der Tür befindet sich ein ca. fünf Meter hoher Haufen voll Kabel, Tastaturen, Lautsprechern, Mäusen und Netzteilen aller Art. Und wie so etwas in einen Raum mit einer Zimmerhöhe von unter drei Metern passt, konnten bislang selbst modernste wissenschaftliche Methoden nicht hinreichend genug erklären. Sein Schreibtisch wird von etlichen Rechner und Monitoren umlagert und auf der Tischplatte entdeckte ich sofort eine GeForce 8800 Karte, die da einfach so ungenutzt herumlag. Die technische Ausstattung scheint hier wirklich kein Problem zu sein.

Nach einem kurzen Gespräch, stellte mich Wolfgang dann den anderen Kollegen vor, die zum großen Teil alle aus Deutschland kommen. Neben Wolfang, Marcus und Gerrit sind das noch Harald, der mich gestern vom Flughafen abholte und die zwei Diplomanden aus Darmstadt: Torsten und Katharina. Ansonsten gibt es noch drei “singapurische” Mitarbeiter: Chao, die Ehefrau von Gerrit, Adrian and Feng.

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Eine Sintflut am Morgen

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Heute war ich das erste Mal im Lab. Der große Tag also. Schon der Hinweg sollte sich als ein kleines Abenteuer erweisen, denn ich erlebte nun am eigenen Leib, wie sehr es hier regnen kann. Und selbst der Ausdruck “regnen” wirkt an dieser Stelle lediglich verharmlosend. Treffender wäre vielleicht “wie aus Eimern schütten”, denn obwohl beinahe jeder Bürgersteig überdacht ist, muss man doch immer noch die Straße bzw. die Kreuzung überqueren. Und die sind ungeschützt. So kam es also, dass ich trotz all der schützenden Dächer und trotz dreimaligen “über die Kreuzung SPRINTENS” komplett durchnäßt gegen 9:00h morgens im Lab eintraf.

Den Weg dorthin hatte mir Harald bereits gestern Abend bei unserem kurzen Spaziergang über den Campus gezeigt. Heute kam ich jedoch, geleitet durch die Überdachungen, von der anderen (verschlossenen) Seite. Gottseidank öffnete im selben Augenblick ein ziemlich durchnäßt wirkender Deutscher die Tür. Es handelte sich dabei um Marcus, den Manager des CAMTech und mein Ansprechpartner, mit dem ich in Deutschland bereits regen Emailkontakt hatte. Er fluchte wie wild über den Regen, der anscheinend schon eine ganze Weile nicht mehr so schlimm gewesen war. Marcus kam nämlich wie jeden Tag mit seinem Rennrad ins Büro geradelt und war auf dem direkten Weg zum Waschraum, um dort seine nassen Sachen zum Trocken aufzuhängen.

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