Archive for June 14th, 2007

Ministry of Manpower

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Die heilige Göttin der Bürokratie kann ganz schön herumzicken und dementsprechend anstrengend sein. Den heutigen Tag musste ich ihr nahezu komplett widmen, d.h. von früh um 8:30h bis abends um 17:30h. Nachdem ich mich also morgens auf die lange Reise in die Innenstadt begab, und dann nach Bus- und U-Bahnfahrt auch tatsächlich 90min später das Ministry of Manpower (MoM) erreichte, musste ich dort erst einmal nur eine Nummer ziehen. Es war die “U-460″. Und auf der Anzeige stand gerade einmal die “U-167″. Oh je. Das würde ein langer Tag werden.

Also trieb ich mich erst einmal in den naheliegenden Malls herum, von denen es hier so reichlich gibt. Ich lief bald hierhin bald dorthin und kam alle zwanzig Minuten bei der Anzeige im MoM vorbei, nur um jedes Mal wieder enttäuscht von dannen zu ziehen.

Vor einer dieser Malls – diesmal ziemlich verlassen – beobachte ich irgendwann einen recht jungen Chinesen, so Anfang zwanzig, der auf besonders cool machte, d.h. Zigarette im Mund, schlurfiger Gang, komplett in schwarz gekleidet und etwas Blech im Gesicht. So etwas hatte ich hier bislang noch nicht zu Gesicht bekommen und da wurde ich natürlich neugierig (und mir war wirklich langweilig).

Auf jeden Fall ging der Typ dann plötzlich geradewegs auf eine Palme zu, kramte sein Feuerzeug aus der zerbeulten Hose und zündete so mir nichts dir nichts ein recht dickes Paket Zeitungen an, das da wohl irgend jemand auf dem Boden liegengelassen hatte. Da gab es natürlich gleich eine ziemliche Rauchentwicklung, aber den Typen interessierte das schon nicht mehr, denn der schlurfte gemütlich weiter, als ob nichts gewesen wäre. Also, mir gibt das jedenfalls noch immer ein Rätsel auf. Ob der sowas wohl öfter macht? Ob das was Rituelles war? Oder eher nur so? Oder weil ihm alle am Arsch lecken können? Keinen Ahnung. Als ich davon später im Lab berichtete, wusste auch niemand etwas damit anzufangen, so dass ich eine traditionell chinesisch motivierte Ritualtat schon einmal ausschliessen kann (wären es Geldbündel gewesen, sähe das schon ganz anders aus).

Zumindest war ich sehr froh über die kleine Ableckung und die Anzeige im MoM schritt auch schon kräftig auf die “U-400″ zu, so dass ich mich dort einfach mal so richtig schön auf einen der harten Plastikstühle setzte und wartete. Lange wartete. Aber nach etwa 35 Minuten wurde dann auch tatsächlich meine Nummer aufgerufen. Zack, stürmte ich da nach vorne wie ein junger Gott. Der Employment Pass wollte ja schnell beantragt sein. Auf Geheiss der zierlichen Sachbearbeiterin, kramte ich schnell all die benötigten Unterlagen heraus. Meinen Reisepass, den Brief von der NTU mit der Einstellungszusage, meine Geburtsurkunde im Original, mein original Diplomzeugnis und die englische Ãœbersetzung meines Diplomzeugnises.

Doch halt. Wo war bloss diese Ãœbersetzung. Gestern hatte ich sie noch in den Händen gehalten. Schei…, dachte ich da und schaute die Sachbearbeiterin mit meinen großen Kulleraugen an. Aber die kleine Lady blieb eisern. Keine Ãœbersetzung, kein Employment Pass. Also nochmal nach Hause (90min hin, 90min zurück). Mir wurde schlecht. Och Manno, dachte ich. Das kann doch nicht sein. So viel Aufwand für einen doofen Pass.

Doch da fiel mir zum Glück etwas ein. Die Visitenkarte von Marcus. Auf der stand nämlich die Telefonnummer seines Büro, in dem sich die Übersetzung und ein Faxgerät befanden. Mit einem Male erhellte sich auch das Gesicht der sachbearbeitenden Dame. Sie gab mir ihre Faxnummer und ganze sechs Minuten Zeit bis zur Mittagspause um 12:30h. Sofort sprintete ich los zum nächsten Telefon, erreichte Marcus, der die vermaledeite Übersetzung auf der Stelle durch die Kabel jagte und schwubs war mein Employment Pass beantragt. Und so konnte die kleine Lady beruhigt in die Mittagspause gehen, denn sie hatte wieder einmal sichergestellt, dass ein glücklicher Antragsteller seinen Employment Pass (Arbeitserlaubnis) noch am gleichen Tag um 15:30h abholen können würde.

Die nächsten drei Stunden verbrachte ich in der Orchard Street, dem singapurischen Shopping Paradies, denn zurück ins Büro zu fahren, hätte sich zeitlich gar nicht gelohnt. Gegen 16:00h hatte ich dann auch tatsächlich meinen Employment Pass in der Tasche. Jetzt kann ich ein ganzes Jahr in Singapur bleiben und bin außerdem bestens für den morgigen Tag gerüstet, an dem ich hoffentlich endlich Staff Member werde. Rückblickend stelle ich mit Verwunderung fest, dass ich am heutigen Tag etwa achteinhalb Stunden mit Transport, Warten und Shopping verbrachte und lediglich eine halbe Stunde mit Bürokratie. Das ist zwar ein ziemlich schlechtes Brutto – Netto Verhältnis, aber letztendlich habe ich wenigstens ein Ergebnis vorzuweisen.

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