Archive for June 8th, 2007

Dr. X-Rays Schreckenskabinett

Mein heutiger Besuch beim Röntgen in der nahgelegenen Jurong Point Mall war vor allem mit sehr viel Geduld verbunden. Geduld beim einstündigen Warten, bis endlich auch ich an der Reihe war. Geduld mit Dr. X-Ray (Name durch die Redaktion geändert). Aber vor allem auch Geduld und Vermeidung einer Panikattacke, als ich einen kleinen Blick über die Schulter von Dr. X-Ray wagte, um mir einen kurzen Blick auf meine durchleuchteten Lungenflügel einzufangen.

Was war denn das nur für ein riesiger weißer Schatten direkt über meinem linken unteren Lungenflügel, fragte ich mich besorgt. War so etwas normal? Mir kam das jedenfalls mehr als nur merkwürdig vor. Und Dr. X-Ray ging es da anscheinend nicht anders, denn der wollte meine Lungenflügel auf der Stelle noch einmal durchleuchten. Da machte ich mir natürlich gleich noch viel mehr Sorgen. Einerseits wegen des riesigen weißen Schattens, aber auch wegen der doppelten Strahlenbelastung. Immerhin hatte ich darüber schon so manch böse Geschichte gehört. Also zog ich mir mißmutig mein T-Shirt ein zweites Mal aus, stellte mich wieder vor die Apparatur, und holte tief Luft.

Oh Schreck! Der große weiße Schatten war immer noch sehr deutlich sichtbar. Und es war definitiv das Bild meiner Lunge. Nicht etwa das vom röchelnden Chinesen, der bisher neben mir saß. Ich war entsetzt. Dr. X-Ray anscheinend auch, denn der bestand unter allen Umständen darauf, noch ein drittes Bild zu schießen. Mir war jetzt alles egal. Mein Leben schien verwirkt. Und auf die paar Extrastrahlen kam es jetzt sowieso nicht mehr an.

Der weiße Schatten war immer noch da. Oh weh! Doch Dr. X-Ray schien mit einem Male sehr zufrieden. Vorsichtig fragte ich ihn, was das wohl für ein seltsamer weißer Fleck da auf meiner Lunge war. Ach das, das wäre nur das Herz, meinte er. Und dass man jetzt auch endlich beide Lungenflügel komplett sehen könne. Die haben vorher nämlich nie richtig auf den Abzug gepasst. Ihr könnt Euch gar nicht vorstellen, wie sehr mir da das Herz vor Erleichterung aus der Brust sprang. Und zwar so sehr, dass bei einer vierten Durchleuchtung bestimmt kein einziger weißer Schatten mehr zu sehen gewesen wäre.

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