Archive for June 4th, 2007

Der ganz normale Klimaanlagenwahn

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Jetzt ist es passiert. Ich bin erkältet, huste den ganzen Tag so vor mich hin und nachts reißen mich die Hustenanfälle aus den süßesten Träumen. Wie kann so etwas nur passieren, in einem Land, in dem die Temperatur nie unter 20 Grad Celsius sinkt und man schon nach 23 Schritten auf der Straße einen Schweissfilm auf der Haut verspürt, so dass es sich gewaschen hat.

Und genau darin liegt das Problem. Man schwitzt sich hier das Leben aus dem Leib. Das ist an sich natürlich erst einmal kein Problem und gesundes Schwitzen hat noch keinem geschadet. Doch es gibt in diesem Spiel eine entscheidene Komponente, die ich bisher verschwiegen habe: der hiesige Klimaanlagenwahn. Hier in Singapur wird nämlich prinzipiell alles und überall auf gefühlte 15 Grad Celsius heruntergekühlt. Wer da als Normalsterblicher nicht mindestens eine Lungenentzündung bekommt, ist nicht von dieser Welt.

Da schlendert man beispielsweise gemütlich im Schatten einer schönen Allee, träumt so vor sich hin von exotischen Fruchtcocktails und einem kühlenden Bad in der Oase und bemerkt allmählich, dass dieser Traum zumindest teilweise wahr geworden ist, denn das T-Shirt ist wiedereinmal klitschenass. Gut denkt man sich da, eine natürliche Reaktion des Körpers auf die Hitze. Man will ja nicht zerkochen. Doch dann kommt auch schon das nächste Geschäft, man tritt ein und beginnt zu frösteln, als wäre man gerade direkt nach Norwegen in den Winterurlaub katapultiert worden. Mit der Zeit verzieht sich dann langsam der feuchte Film auf den Armen, man friert nicht mehr so sehr und könnte jetzt eigentlich schön gemütlich in diesem Geschäft herumschauen, wenn man denn nicht schon alles gesehen hätte, was einem dort so angeboten wird. Also geht es wieder hinaus auf die Straße, wo man sofort an die leckersten Fruchtcocktails und ein schönes kühlendes Bad denkt…

Spätestens nach dem fünften Geschäft und der dritten U-Bahnfahrt war es dann um mich geschehen. Mein Hals fühlte sich mit einem Male sehr merkwürdig an und der Rest ist Geschichte. Jetzt habe ich IMMER einen dicken Pulli dabei. Und auch wenn es sehr lästig ist, ziehe ich ihn immer wieder an und aus. An und aus. An und aus.

Und am Ende will ich Euch die schlimmste aller Nachrichten nicht vorenthalten: in meinem Büro kann die Klimaanlage nicht eingestellt werde. Es gibt nur “An” oder “An”. Kein “Aus” oder “ich mag’s heute nicht ganz so kalt”. Nein, absolute Tiefsttemperaturen sind angesagt. Gottseidank und zu meiner Rettung zeigte mir Marcus aus dem Nachbarbüro, wie man die Schlitze der Klimaanlage möglichst unauffällig mit durchsichtigem Klebeband abklebt. Nach wenigen Minuten war dieses Problem dann also wenigstens hier gelöst. Jetzt sitze ich bei angenehmen Wohlfühltemperaturen in meinem Büro und hoffe, dass ich den Schal um meinen Hals und die darunter verborgen Schmerzen möglichst bald wieder los bin.

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