Archive for June, 2007

Abnahme meines Campuszimmers

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Soeben war ich zum beinahe letzten Mal in meinem Campus Zimmer, das mir in den letzten Wochen sicheren Unterschlupf bot. Ich ziehe nämlich morgen um. Und da morgen Samstag ist, wo kein normaldenkender Mensch arbeit, musste die offizielle Zimmerabnahme bereits heute durchgeführt werden. Es muss ja alles seine Richtigkeit haben.

Und hier, aus dokumentarischen Gründen, die jetzt verjährte Adresse:

103D Nanyang View
#03-07 Room 3
Nanyang Heights
Singapore 639671

Themawechsel. Wahrscheinlich ist dies eine gute Gelegenheit, um einmal auf die hiesigen klimatischen Verhältnisse und ihre Auswirkung auf kleinste körperliche Aktivitäten einzugehen. Richtig, es geht um echtem deutschen Jungs-Schweiss. Den Weg von meinem Zimmer zurück ins Büro nahm ich nämlich in einem der Nachmittagshitze angemessenen gemütlichen Spaziergängertempo. Und ich spreche hier wirklich von einem sehr langsamen Langweilertempo, ohne etwa zu hasten oder sonstige Anstrengungen auf mich zu nehmen. Als ich dann nach etwa zehn Minuten im Büro eintraf, bemerkte ich unter dem Trageriemen meiner Tasche einen dunklen Streifen, den Marcus gleich einmal fotografieren sollte. Daraufhin meinte er nur, dass das noch gar nichts sei, und ich lieber mal meinen Rücken anschauen sollte. Und tatsächlich, ein Foto von meinem Rücken enthüllte Unglaubliches…

So, und morgen wird endlich umgezogen.

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Eine Mücke am Mittagstisch

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Heute summte eine Mücke beim Mittagessen die ganze Zeit um meinem Kopf herum. Ich dachte mir erst nichts dabei, und scheuchte das kleine Ding immer wieder fort. Und dann wurde mir mit einem Male etwas bewußt. Seit meiner Ankunft hier in Singapur wurde ich noch nicht einmal von einem Moskito belästigt. Das ist schon merkmürdig, immerhin befinde ich mich ja in den Tropen.

Nicht dass es hier keine Insekten, Gewürm und anderes Kleintier geben würde. Ganz im Gegenteil. Mit Kakerlaken habe ich ja bereits einige Erfahrungen gesammelt und auch Geckos sieht man ständig an den Häuserwänden herumflitzen. Aber Moskitos sind erstaunlicher Weise schwer zu finden. Zumindest auf dem Campus und in der Innenstadt.

Des Rätsels Lösung ist das Dengue Fieber, eine für den Menschen relativ gefährliche Krankheit (grippenähnlicher Verlauf, selten auch tödlich). Bislang gibt es noch keine Schutzimpfung. Da diese Krankheit ausschließlich von einer tagaktiven Mückenart (Aedes Moskito) übertragen wird, unternimmt die Regierung alles erdenkbar mögliche, deren Ausbreitung zu verhindern. Bislang mit Erfolg.

Die wichtigsten Waffen im Kampf gegen das Dengue-Fieber sind das wöchentliche Versprühen von Insektenvernichtungsmitteln und die allumfassende Volksaufklärung. Hier gilt es besonders, die natürlichen Brutstätten der Mücken zu eliminieren. Das sind: Abflüsse, Blumenvasen, verstopfte Dachrinnen, Eimer, Pflanzkübel, Untersetzer. Eben alles, worin sich Wasser längerfristig sammeln kann. Und eine angenehme Nebenwirkung gibt es auch: man bleibt von lästigen Mücken weitestgehend verschont.

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Um Paul ist es geschehen

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Achtung, jetzt wird es eklig. Wer gerade Mittag gegessen hat, oder sonst zart besaitet ist, sollte lieber den nächsten Artikel lesen und diesen Beitrag ausnahmsweise einmal großzügig überlesen. Ich habe nämlich gerade Paul erlegt. Genau, die Kakerlake aus meinem Büro. Paul ist nach Paula bereits der zweite Vertreter seiner Art, mit dem ich hier eine Art Zweckgemeinschaft eingegangen bin.

Wenngleich ich bei Paula nur selten das zweifelhafte Vergnügen ihrer Gesellschaft habe, hoppelt Paul bereits seit Tagen quietschvergnügt in meinem Büro herum, so dass es eine Freude ist. Und zwar für ihn. Für mich aus verständlichen Gründen eher nicht.

Daher machte ich mich vor etwa zehn Minuten auf die Jagd. Nach anfänglichen Mißerfolgen, die mich beinahe zur Aufgabe meines hohen Zieles brachten, hatte ich letztendlich doch Erfolg. Ein beherzter Fusstritt reichte aus und schubs war es um den flinken Lümmel geschehen. Ein bisschen unangenehm war es dann aber doch, als der arme Paul unter meinem Schuh knirschend über den Jordan gequetscht wurde. Ein Geräusch übrigens, das mir noch lange in Erinnerung bleiben wird. Aber ich würde es wieder tun.

Und nun hoffe ich sehr, dass Paul keine Paula ist. Ansonsten bestünde nähmlich die ernste Gefahr, dass sich hier bald dutzendweise Paulinchen herumtummeln. Und wie schnell würden aus all den kleinen süßen Kakerlakeneiern fiese halbstarke Plagegeister heranwachsen, die nur darauf brennen, den grausamen Tod von Mutti zu rächen. Nein, da putze ich doch lieber gründlich meine Schuhe und den Fußboden und hoffe, dass ich damit aus dem Schneider bin.

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Endlich Staff Member

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So, ab heute bin ich ein vollwertiges Mitglied der Gesellschaft und gehe einer geregelten Arbeit nach. Den Arbeitsvertrag habe ich jetzt endlich unterschrieben und der lange bürokratische Leidensweg ist damit beendet. Aber vor allen Dingen habe ich jetzt die heißbegehrte Staff Member Card. Diese Karte ist wohl nur mit der VEB Goldene Plaste Card oder vielleicht gerade noch mit dem Worldloppetpass vergleichbar. Und darunter kommt dann lange erst mal nichts.

Denn mit der Staff Member Card kommt man offiziell ins Schwimmbad und auch ins Gym. Inoffiziell war ich da natürlich schon oft. Das ist ja klar. Aber mit Karte fühlt sich das halt ganz anders an. Man gehört jetzt schließlich dazu. Und man kann jetzt auch schon mal argwöhnig auf seinen Nachbarn schauen, wo der denn seine Staff Member Card hat. Bisher musste man bei solchen Gelegenheiten immer verstohlen wegschauen. Aber ab heute wird zurückgeschaut…

Neben der wunderbaren Staff Member Card wurde ich noch mit weiteren Gaben überschüttet. So habe ich jetzt endlich all die schönen Büromaterialien, die ich mir schon immer sehnlichst wünschte: Locher, Tacker, Marker, Schere, Kleber, Tipp-Ex, Radiergummi, Lineal und sogar einen dicken Stapel weißes Büropapier. Hach, das war eine Freude, dies alles in Empfang zu nehmen. Ich musste sogar jede einzelne Position überprüfen und auf einem Formular abkreuzen.

Dabei habe ich jedoch einen schwerwiegenden Fehler begangen und malte tatsächlich Kreuze!! in die Formularkästchen, worauf der Sachbearbeiter fast ohnmächtig wurde und hilflos die Hände über den Kopf zusammenschlug. Keine Kreuze. Nein, Haken sollte ich malen. Denn ein Kreuz heisst doch, das der Locher nicht da ist. Das weiss doch jedes Kind. Also malte ich brav noch einmal ein leeres Kästen daneben und hakte es liebevoll ab, so dass sich der Puls des Sachbearbeiters wieder langsam normalisierte.

Aber irgend etwas schien ihn immer noch zu stören. Ich sah in fragend an und da wunderte er sich, warum ich denn einfach nur abhakte, ohne wirklich zu kontrollieren. Da fragte ich ihn noch einmal, ob ich die Büromaterialien auch wirklich nicht wieder zurückgeben müsse, worauf er nur mit dem Kopf nickte. Also hakte ich muter weiter. Ja, ich bin manchmal sehr leichtgläubig. Hoffentlich wurde ich diesmal nicht über den Tisch gezogen.

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Ministry of Manpower

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Die heilige Göttin der Bürokratie kann ganz schön herumzicken und dementsprechend anstrengend sein. Den heutigen Tag musste ich ihr nahezu komplett widmen, d.h. von früh um 8:30h bis abends um 17:30h. Nachdem ich mich also morgens auf die lange Reise in die Innenstadt begab, und dann nach Bus- und U-Bahnfahrt auch tatsächlich 90min später das Ministry of Manpower (MoM) erreichte, musste ich dort erst einmal nur eine Nummer ziehen. Es war die “U-460″. Und auf der Anzeige stand gerade einmal die “U-167″. Oh je. Das würde ein langer Tag werden.

Also trieb ich mich erst einmal in den naheliegenden Malls herum, von denen es hier so reichlich gibt. Ich lief bald hierhin bald dorthin und kam alle zwanzig Minuten bei der Anzeige im MoM vorbei, nur um jedes Mal wieder enttäuscht von dannen zu ziehen.

Vor einer dieser Malls – diesmal ziemlich verlassen – beobachte ich irgendwann einen recht jungen Chinesen, so Anfang zwanzig, der auf besonders cool machte, d.h. Zigarette im Mund, schlurfiger Gang, komplett in schwarz gekleidet und etwas Blech im Gesicht. So etwas hatte ich hier bislang noch nicht zu Gesicht bekommen und da wurde ich natürlich neugierig (und mir war wirklich langweilig).

Auf jeden Fall ging der Typ dann plötzlich geradewegs auf eine Palme zu, kramte sein Feuerzeug aus der zerbeulten Hose und zündete so mir nichts dir nichts ein recht dickes Paket Zeitungen an, das da wohl irgend jemand auf dem Boden liegengelassen hatte. Da gab es natürlich gleich eine ziemliche Rauchentwicklung, aber den Typen interessierte das schon nicht mehr, denn der schlurfte gemütlich weiter, als ob nichts gewesen wäre. Also, mir gibt das jedenfalls noch immer ein Rätsel auf. Ob der sowas wohl öfter macht? Ob das was Rituelles war? Oder eher nur so? Oder weil ihm alle am Arsch lecken können? Keinen Ahnung. Als ich davon später im Lab berichtete, wusste auch niemand etwas damit anzufangen, so dass ich eine traditionell chinesisch motivierte Ritualtat schon einmal ausschliessen kann (wären es Geldbündel gewesen, sähe das schon ganz anders aus).

Zumindest war ich sehr froh über die kleine Ableckung und die Anzeige im MoM schritt auch schon kräftig auf die “U-400″ zu, so dass ich mich dort einfach mal so richtig schön auf einen der harten Plastikstühle setzte und wartete. Lange wartete. Aber nach etwa 35 Minuten wurde dann auch tatsächlich meine Nummer aufgerufen. Zack, stürmte ich da nach vorne wie ein junger Gott. Der Employment Pass wollte ja schnell beantragt sein. Auf Geheiss der zierlichen Sachbearbeiterin, kramte ich schnell all die benötigten Unterlagen heraus. Meinen Reisepass, den Brief von der NTU mit der Einstellungszusage, meine Geburtsurkunde im Original, mein original Diplomzeugnis und die englische Ãœbersetzung meines Diplomzeugnises.

Doch halt. Wo war bloss diese Ãœbersetzung. Gestern hatte ich sie noch in den Händen gehalten. Schei…, dachte ich da und schaute die Sachbearbeiterin mit meinen großen Kulleraugen an. Aber die kleine Lady blieb eisern. Keine Ãœbersetzung, kein Employment Pass. Also nochmal nach Hause (90min hin, 90min zurück). Mir wurde schlecht. Och Manno, dachte ich. Das kann doch nicht sein. So viel Aufwand für einen doofen Pass.

Doch da fiel mir zum Glück etwas ein. Die Visitenkarte von Marcus. Auf der stand nämlich die Telefonnummer seines Büro, in dem sich die Übersetzung und ein Faxgerät befanden. Mit einem Male erhellte sich auch das Gesicht der sachbearbeitenden Dame. Sie gab mir ihre Faxnummer und ganze sechs Minuten Zeit bis zur Mittagspause um 12:30h. Sofort sprintete ich los zum nächsten Telefon, erreichte Marcus, der die vermaledeite Übersetzung auf der Stelle durch die Kabel jagte und schwubs war mein Employment Pass beantragt. Und so konnte die kleine Lady beruhigt in die Mittagspause gehen, denn sie hatte wieder einmal sichergestellt, dass ein glücklicher Antragsteller seinen Employment Pass (Arbeitserlaubnis) noch am gleichen Tag um 15:30h abholen können würde.

Die nächsten drei Stunden verbrachte ich in der Orchard Street, dem singapurischen Shopping Paradies, denn zurück ins Büro zu fahren, hätte sich zeitlich gar nicht gelohnt. Gegen 16:00h hatte ich dann auch tatsächlich meinen Employment Pass in der Tasche. Jetzt kann ich ein ganzes Jahr in Singapur bleiben und bin außerdem bestens für den morgigen Tag gerüstet, an dem ich hoffentlich endlich Staff Member werde. Rückblickend stelle ich mit Verwunderung fest, dass ich am heutigen Tag etwa achteinhalb Stunden mit Transport, Warten und Shopping verbrachte und lediglich eine halbe Stunde mit Bürokratie. Das ist zwar ein ziemlich schlechtes Brutto – Netto Verhältnis, aber letztendlich habe ich wenigstens ein Ergebnis vorzuweisen.

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Guangpu

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Gestern Abend habe ich zum ersten Mal in meinem Leben das sogenannte Intervalltraining ausprobiert und musste dabei fast kotzen. Die grundsätzliche Idee ist hierbei, dass man auf kurzen Strecken (200m – 800m) so schnell wie nur irgend möglich davonsprintet. Zwischendrin erholt man sich dann wieder durch sehr langsames Laufen. Anscheinend habe ich dabei auf dem Sportplatz eine ziemlich wilde Show abgeliefert, denn ich wurde beim Nachhausgehen von einem chinesischen Studenten angesprochen, der mich fragte, was ich da so treibe. Und so lernte ich Guangpu kennen.

Guangpu studiert hier an der NTU Elektrotechnik und wohnt in einem der vielen Wohnheime, die für Studenten sehr zahlreich vorhanden sind (leider nicht für Angestellte). Als ich ihn heute Abend besuchte und dabei von meiner Wohnungssuche berichtete, erklärte er sich spontan dazu bereit, sein Zimmer mit mir zu teilen. Und zwar schon ab morgen. Sein Mitbewohner sei sowieso frühestens Anfang August wieder in Singapur und ausserdem würde er sich alleine ziemlich langweilen. Als ich ihm dann auch noch den Preis für mein kleines Räumchen nannte (S$750,- ≈ €375,-), konnte er das gar nicht glauben, denn für sein mehr als drei Mal so großes und bei Weitem besser ausgestattetes Doppelzimmer zahlte er gerade einmal ein Viertel dieses Betrages.

Da war für ihn die Sache bereits entschieden und ich musste mich sofort auf das Bett probelegen. Meine Füße ragten zwar ein wenig über die Bettkante, aber das wäre halb so schlimm und ich könne ja auch mit dem Kopf in das Regal hineinrücken. Ich bin zwar geizig. Aber auch Geiz ist nicht immer gleich geil. Also brachte ich ihm schonend bei, dass ich als Europäer dringend meine Privatsphäre und vor allem ein längeres Bett bräuchte. Und hoffe, dass er mir nicht allzu böse deswegen ist.

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Reality Theatre

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Das CAMTech (dort arbeite ich) unterhält ein Reality Theatre, das im Wesentlichen aus einer gekrümmten Projektionsfläche und drei Projektoren besteht. Dort können wir unsere Projekte vor einem größeren Publikum vorführen. Heute, als ich zum ersten Mal dort war, stellte Adrian gerade seine virtuelle Fahrschule vor. Um eine möglichst hohe Realitätstreue zu erreichen, haben sie für das Projekt extra das Vorderteil eines echten Autos abgeschweißt und nutzen dieses jetzt als Cockpit für die Fahrsimulation.

Den besten Eindruck bzw. die beste Immersion erzielt man im Brennpunkt der runden Projektionsfläche, also etwa da, wo heute das Auto-Cockpit stand. Und wenn man im Cockpit sitzt, ist der Effekt gar nicht mal so schlecht. Mir wurde sogar ein ganz wenig mulmig im Magen, was wahrscheinlich daran liegt, dass der Körper zwar die visuellen Informationen des Fahrens bekommt, aber eben nicht die Beschleunigungskräfte, die beispielsweise beim Bremsen oder beim “Um die Kurve Fahren” auftreten.

Im Zuschauerraum wird man dagegen eher nicht so sehr in das Geschehen eintauchen können, da man dort wie vor einer Kinoleinwand sitzt. Der Effekt ist natürlich dort auch nicht schlecht, aber man möchte ja mehr als nur bloßes Kino erreichen. Es bleibt vielleicht noch zu erwähnen, dass man für den Weg vom Büro zum Reality Theatre etwa 8 bis 10 Minuten einplanen muss, so dass man leider nicht mal schnell rüber gehen kann, um etwas auszuprobieren.

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Swimming in the rain

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Heute habe ich es doch tatsächlich geschafft, und war bereits um 7:30h noch vor dem Frühstück im Schwimmbad, um dort meine 50m-Bahnen zu ziehen. Es handelt sich hierbei übrigens um ein Freibad. Eine Tatsache, die für diese Geschichte nicht ganz unwichtig ist.

Nachdem ich so etwa die zwanzigste Bahn hinter mich gebracht hatte und kurz einmal anhielt, um nach der Zeit zu schauen, bemerkte ich, dass es plötzlich ganz schön finster geworden war. Und da war noch eine Sache, die ein wenig anders war als noch vor 20min: es war nicht nur von unten nass, nein auch über mir hatten sich riesige Wassermengen zusammengebraut. – Es schüttete wie aus Eimern.

Wie romantisch, dachte ich und zog schweigend weiter meine Bahnen. Und überlegte. Da war doch noch etwas. Etwas Entscheidendes hatte ich bisher übersehen. Und mit einem Male fiel es mir wie Schuppen von den Augen. Ich war der einzige im Becken. Ganz allein. Keine Menschenseele war mehr zu sehen. Nur ich. Und das große Becken. Aber wo waren bloss all die anderen hin? Die standen alle am Beckenrand und winkten mir zu. Und zwar in einer Art und Weise, die mir unmissverständlich klar machten, ihnen möglichst schnell zu folgen, was ich natürlich auch tat.

Als ich dann sicher aus dem Becken heraus war, wurde ich erst einmal aufgeklärt. In Singapur gewittert es durchschnittlich an 180 Tagen im Jahr. Damit zeigt es eine der höchsten Gewitteraktivitäten weltweit. Ein Verhalten, das vor allem den gewitterbegünstigenden Klimabedingungen – also heiss und feucht – zugeschrieben wird. Singapur befindet sich übrigens 150km nördlich des Äquators.

Und da ein Gewitter plus Schwimmbecken gleich mehrere Tausend Volt gleich Tod bedeuten kann, achtet der wachsame Bademeister stets freundlich aber bestimmt darauf, dass selbst bei dem kleinsten Anzeichen eines Hauches eines Gewitterchens auch ja alle Schäfchen ins Trockenen gebracht werden. Und so auch heute, selbst wenn nicht ein einziges Grollen am Himmel zu hören war.

Zusätzliche Anmerkung: Auf dem Weg nach Hause – es regnete immer noch in Strömen – entdeckte ich ein weiteres nützliches Anwendungsgebiet für mein Handtuch: und zwar als Regenschirmersatz.

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Dr. X-Rays Schreckenskabinett

Mein heutiger Besuch beim Röntgen in der nahgelegenen Jurong Point Mall war vor allem mit sehr viel Geduld verbunden. Geduld beim einstündigen Warten, bis endlich auch ich an der Reihe war. Geduld mit Dr. X-Ray (Name durch die Redaktion geändert). Aber vor allem auch Geduld und Vermeidung einer Panikattacke, als ich einen kleinen Blick über die Schulter von Dr. X-Ray wagte, um mir einen kurzen Blick auf meine durchleuchteten Lungenflügel einzufangen.

Was war denn das nur für ein riesiger weißer Schatten direkt über meinem linken unteren Lungenflügel, fragte ich mich besorgt. War so etwas normal? Mir kam das jedenfalls mehr als nur merkwürdig vor. Und Dr. X-Ray ging es da anscheinend nicht anders, denn der wollte meine Lungenflügel auf der Stelle noch einmal durchleuchten. Da machte ich mir natürlich gleich noch viel mehr Sorgen. Einerseits wegen des riesigen weißen Schattens, aber auch wegen der doppelten Strahlenbelastung. Immerhin hatte ich darüber schon so manch böse Geschichte gehört. Also zog ich mir mißmutig mein T-Shirt ein zweites Mal aus, stellte mich wieder vor die Apparatur, und holte tief Luft.

Oh Schreck! Der große weiße Schatten war immer noch sehr deutlich sichtbar. Und es war definitiv das Bild meiner Lunge. Nicht etwa das vom röchelnden Chinesen, der bisher neben mir saß. Ich war entsetzt. Dr. X-Ray anscheinend auch, denn der bestand unter allen Umständen darauf, noch ein drittes Bild zu schießen. Mir war jetzt alles egal. Mein Leben schien verwirkt. Und auf die paar Extrastrahlen kam es jetzt sowieso nicht mehr an.

Der weiße Schatten war immer noch da. Oh weh! Doch Dr. X-Ray schien mit einem Male sehr zufrieden. Vorsichtig fragte ich ihn, was das wohl für ein seltsamer weißer Fleck da auf meiner Lunge war. Ach das, das wäre nur das Herz, meinte er. Und dass man jetzt auch endlich beide Lungenflügel komplett sehen könne. Die haben vorher nämlich nie richtig auf den Abzug gepasst. Ihr könnt Euch gar nicht vorstellen, wie sehr mir da das Herz vor Erleichterung aus der Brust sprang. Und zwar so sehr, dass bei einer vierten Durchleuchtung bestimmt kein einziger weißer Schatten mehr zu sehen gewesen wäre.

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Auf Kommando Pinkeln

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Auf Kommando Pinkeln ist gar nicht so einfach, wie man es sich so leichthin vorstellt. Ich musste diese bittere Erfahrung heute machen, als ich meine medizinische Einstellungsuntersuchung absolvierte. “No Problem”, sagte die Assistentin noch mit einem leichten Lächeln im Gesicht. “Don’t worry. Just take the time you need.” Die habe ich mir dann auch wirklich genommen. Es half aber alles nichts. Trotz redlicher Bemühungen meinerseits. Nicht ein Tropfen wollte herauskommen. Es war zum Verzweifeln.

Also ging ich zum nächsten Wasserspender, die hier auf dem Campus überall herumstehen, und fing zu trinken an. Die ersten 30 Schluck wirkten irgendwie noch erfrischend, die nächsten 50 gingen auch noch recht gut über die Lippen, weitere 30 verdanke ich meinem starken Antrieb, diesen doofen Test endlich über die Bühne zu bringen, doch bei Schluck 113 war dann endgültig Schluss. Da ging es einfach nicht weiter, und es bestand die akute Gefahr, dass mein Magen platzte. Leider erwies sich mein Trink-Engagement zunächst als wenig zielführend, denn ich saß immer noch ziemlich auf dem Trockenen. Also wartete ich weitere 20 Minuten und dann kamen tatsächlich ein paar wenige Tröpfchen, auf die ich so lange hingearbeitet hatte. Und so meisterte ich dann doch heldenhaft diesen schwierigen Test. Trotzdem frage ich mich immer noch, wo denn all das viele Wasser geblieben ist, was ich mir so mühsam hineingewürgt habe…

Um dieser Geschichte am Ende doch wenigstens ein bisschen Inhalt einzuhauchen, möchte ich noch auf die Relevanz dieses medizinischen Tests hinweisen. Es geht natürlich um Bürokratie. Genauer gesagt, um meine Arbeitserlaubnis und meinen Arbeitsvertrag. Aber der Reihe nach. Als ich vor genau einer Woche in Singapur eintraf, hatte ich zwar ein Angebot auf eine Stelle als Research Associate in der Tasche, aber eben noch keinen richtigen Arbeitsvertrag und schon gar keine Arbeitserlaubnis. Daher war es einer meiner ersten Schritte, sich um eben diese Bürokratie zu kümmern.

In diesem Zusammenhang wurde mir geraten, den Beginn des Arbeitsvertrages frühestens auf den 22. Juni zu legen. Deshalb war ich sehr erfreut, bereits heute (nach weniger als einer Woche) das Wohlwollen des Ministry of Manpower auf meiner Seite zu wissen. Und so war es mir dann auch eine Ehre, den heutigen Nachmittag dem medizinischen Rundumcheck widmen zu dürfen, mit all seinen Gemeinheiten und Tücken. Morgen werde ich übrigens noch zum Röntgen in die nächste Mall fahren, und im Verlauf der nächste Woche habe ich dann hoffentlich meine Arbeitserlaubnis und meinen Arbeitsvertrag in der Tasche.

So, und jetzt muss ich erst einmal ganz schnell etwas sehr dringendes erledigen gehen…

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